SchutzWissen informiert sachlich über ein Thema, über das zu wenig gesprochen wird – auch darüber, dass Frauen und Mütter ebenfalls Täterinnen sein können. Mit Hintergrundwissen, einer Besprechung des Films „Die Hände meiner Mutter" und Verweisen auf reale Hilfsangebote.
Sexuelle Gewalt gegen Kinder findet nach Einschätzung von Fachleuten am häufigsten im engsten Familien- und Vertrauensumfeld statt – nicht durch Fremde. Besonders wenig gesprochen wird dabei über Täterinnen: Frauen und Mütter, denen Gesellschaft und Umfeld solche Taten oft kaum zutrauen. Genau dieses Tabu greift der Film „Die Hände meiner Mutter" von Florian Eichinger auf – als letzter Teil einer Trilogie über verdrängte Familiengewalt.
SchutzWissen möchte sachlich informieren: über das Ausmaß des Problems, über allgemeine Warnzeichen, über sinnvolles Handeln im Verdachtsfall – und darüber, wo Betroffene, Angehörige und Fachkräfte reale, professionelle Unterstützung finden. Bewusst ohne reißerische Sprache und ohne Details, die niemandem helfen.
Angaben nach WHO und Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS), wie auch vom Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs zusammengefasst.
Mädchen und Jungen in Deutschland laut WHO-Hochrechnung betroffen
betroffene Kinder im Schnitt pro Schulklasse (rechnerisch)
der Täter:innen sind laut Fachschätzungen weiblich
der Fälle laut PKS 2015 innerhalb von Familie oder sozialem Nahraum
Hinweis: Zahlen aus dem sogenannten Hellfeld (angezeigte Fälle) bilden nur einen Bruchteil des tatsächlichen Ausmaßes ab; Dunkelfeldstudien gehen von deutlich höheren Zahlen aus.
Allgemeine Hinweise für Eltern, Angehörige und Bezugspersonen – keine Checkliste zur sicheren Diagnose, sondern Anlass zu Aufmerksamkeit und professionellem Rat.
Plötzliche Verhaltensänderungen, Rückzug, Ängste oder ungewöhnliches altersuntypisches Wissen können – müssen aber nicht – auf eine Belastung hindeuten.
Wenn sich ein Kind anvertraut, ist Glauben und ruhiges Zuhören der wichtigste erste Schritt – ohne Vorwürfe, ohne Verhör.
Bei einem Verdacht sollten sich Angehörige an eine Fachberatungsstelle oder das Hilfetelefon wenden – auch anonym und unverbindlich.
Symbolbild.
Der 39-jährige Ingenieur Markus erinnert sich bei einem Familientreffen zum ersten Mal an das, was ihm seine Mutter als Kind angetan hat. Regisseur Florian Eichinger erzählt damit den Abschluss einer Trilogie über verdrängte Familiengewalt – nach „Bergfest" (Vater-Sohn) und „Nordstrand" (Brüder) diesmal aus der Perspektive von Sohn und Mutter. Der Film wurde von der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) mit dem Prädikat „besonders wertvoll" ausgezeichnet.
Fachleute betonten insbesondere, dass der Film bewusst auf Sensationslust verzichtet und stattdessen einen Weg zur Auseinandersetzung mit dem Erlebten aufzeigt.
Hintergrundartikel zu Prävention, Aufklärung und dem Umgang mit dem Thema in Familie, Schule und Medien.
Dieser Ratgeber fasst allgemeine, öffentlich zugängliche Informationen zusammen. Er ersetzt keine fachliche Beratung – bei einem konkreten Verdacht wenden Sie sich bitte direkt an eine der unten genannten Fachstellen.
Fachlich wird jede sexuelle Handlung als sexuelle Gewalt bezeichnet, die an einem Kind gegen dessen Willen vorgenommen wird oder der es aufgrund körperlicher, seelischer oder geistiger Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann. Täter:innen nutzen dabei ihre Macht- und Autoritätsposition aus. Die Bandbreite reicht von Grenzverletzungen ohne Körperkontakt bis zu schweren, strafbaren Übergriffen – in jedem Fall handelt es sich um einen gravierenden Vertrauensbruch.
Fachleute schätzen den Anteil weiblicher Täterinnen auf etwa 10 bis 20 Prozent – bei vermutlich hoher Dunkelziffer, da Frauen und insbesondere Müttern solche Taten gesellschaftlich noch immer kaum zugetraut werden. Diese blinde Stelle im öffentlichen Bewusstsein erschwert es Betroffenen zusätzlich, sich Hilfe zu suchen oder ernst genommen zu werden.
| Kontext | Anteil (Schätzung) |
|---|---|
| Innerhalb engster Familie | ca. 25 % |
| Soziales Nahfeld (Bekannte, Vereine, Nachbarschaft) | ca. 50 % |
| Fremdtäter:innen | ca. 10–25 % |
Angaben nach öffentlich zugänglichen Fachquellen; können je nach Studie variieren.
Es gibt kein einzelnes, eindeutiges Anzeichen für sexuelle Gewalt. Plötzliche Verhaltensänderungen, Rückzug, Schlafprobleme, Ängste oder altersuntypisches Wissen über Sexualität können Hinweise sein – müssen aber nicht zwingend mit sexueller Gewalt zusammenhängen. Entscheidend ist, aufmerksam zu bleiben, Veränderungen ernst zu nehmen und im Zweifel fachlichen Rat einzuholen, statt selbst zu ermitteln oder das Kind auszufragen.
Ruhe bewahren, dem Kind glauben, keine eigenen Befragungen mit Detailfragen durchführen und sich möglichst zeitnah an eine Fachberatungsstelle oder das Hilfetelefon wenden. Fachkräfte können einschätzen, welche nächsten Schritte sinnvoll und für das Kind am wenigsten belastend sind.
Weitere Hintergrundartikel zu Prävention und Aufklärung veröffentlichen wir laufend in unserem Blog.
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